Online-Round-Table Gebäudeenergie (Nr. 5)

Beim BK+ Online-Round-Table im Januar haben Dr. Bernd Vogl von goodmen energy, Michael Lammel von NOA, Joachim Stücke von SANBRAIN und Udo Sonnenberg von elfnullelf in einer weitere Ausgabe des Formats über die aktuelle Lage gesprochen. Die zentrale Erkenntnis: Klimaschutz und Baupolitik sind keine Gegenspieler. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille.

Branche ist bereit

Die Branche ist bereit. Technologien sind da. Know-how ist da. Kapital ist da. Was fehlt, ist ein verlässlicher Rahmen. Fast ein Jahr nach der Bundestagswahl herrscht in der Bau- und Gebäudebranche weiterhin Verunsicherung. Weder die Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie noch die Reform des Gebäudeenergiegesetzes sind entscheidend vorangekommen. Statt klarer Leitplanken dominieren Ankündigungen, Verschiebungen und politische Debatten über Zuständigkeiten und Begriffe.

Zwischen Ankündigung und Stillstand

Die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (künftig „Gebäudemodernisierungsgesetz“) wurde angekündigt, Eckpunkte sollten folgen. Parallel dazu steht die nationale Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) aus. Statt Beschleunigung gibt es neue Diskussionen über grundlegende Überarbeitungen oder gar Verzögerungen.

Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet das vor allem eines: fehlende Planungssicherheit. Wer heute über eine energetische Sanierung oder einen Heizungstausch entscheidet, braucht eine stabile rechtliche Grundlage. Bleibt diese aus, werden Investitionen vertagt oder ganz abgesagt. Die Folge könnten sinkende Sanierungsquoten und ein historischer Tiefstand bei Umsatz und Auslastung im Bau- und Sanierungssektor sein.

Besonders betroffen sind Unternehmen, die bereits in klimaneutrale Lösungen investiert haben – Hersteller von Wärmepumpen, Betriebe für energetische Sanierung oder Anbieter zirkulärer Baustoffe. Sie haben ihre Geschäftsmodelle auf Transformation ausgerichtet und warten nun auf klare politische Rahmenbedingungen.

EPBD: Europäischer Rahmen mit marktwirtschaftlichem Potenzial

Die europäische Gebäuderichtlinie bietet mehr als nur neue Pflichten. Sie ersetzt nationale Sonderwege, schafft einheitlichere Märkte im Binnenraum und kann Bürokratie reduzieren. Richtig umgesetzt, eröffnet sie erhebliche marktwirtschaftliche Chancen.

Doch bislang haben nur wenige EU-Mitgliedstaaten ihre nationalen Renovierungspläne fristgerecht vorgelegt. Auch in Deutschland wird über Verschiebungen diskutiert. Dabei wäre gerade jetzt ein geschlossenes europäisches Vorgehen ein wichtiges Signal – ökonomisch wie geopolitisch.

Verbändebündnis

Ein breites Bündnis aus 14 Verbänden – darunter Energie- und Handwerksverbände, kommunale Spitzenverbände und Interessenvertretungen der Industrie – hat in einer gemeinsamen Erklärung präzisiert, was aus Sicht der Praxis notwendig ist:

  • keine weiteren Verzögerungen
  • Reformen müssen vereinfachend, verständlich, technologieoffen und praxistauglich ausgestaltet sein.
  • Die Umsetzung der EPBD, die Energieeffizienz-Richtlinie (EED) und weitere europäische Vorgaben sollten aus einem Guss erfolgen.
  • Es braucht einen verlässlichen Förderrahmen und weniger bürokratischen Umsetzungsaufwand.
  • Flexibilität bei der Wahl von Energieträgern, Heiztechnologien und Effizienzmaßnahmen sowie innovative Quartierslösungen fördern.

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